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Ein ganzes Land aus gutem Holz geschnitzt

Hören Sie das Echo der Hämmer aus einer vergangenen Zeit… einer Zeit, in der Sägen noch nicht erfunden waren, es weder Eisennägel noch Metallschrauben gab. Dieses Echo stammt aus einer Zeit, als Holz noch durch Holz zusammengehalten wurde. Diese Techniken sind so gut und langlebig, dass sie auch heute noch verwendet werden, einschließlich der bekannten Blockbautechnik namens Laft.

In dieser Zeit stand der Duft von Teer noch für Erhaltung und Kontinuität – schwache Spuren sind noch heute in alten Blockhäusern, Fischerhütten und Kirchen zu finden.

All das verdanken wir den Bäumen. Ohne sie hätten wir hier in diesem felsigen Außenposten im hohen Norden nicht leben können.

Wir hätten auch die Meere nie überquert. Norwegische Wikingerschiffe gehören zu den stärksten Symbolen des goldenen Zeitalters der Wikinger, die über außergewöhnliche Handwerkskunst und Kenntnisse in Holzbautechniken verfügten. So konnten die Wikinger die weiten Ozeane bezwingen und neue kulturelle Impulse und noch bessere Bautechniken mitbringen.

Die Wikinger wurden vor rund 1000 Jahren zu einer der reichsten und fortschrittlichsten Zivilisationen der Welt – der Schlüsselfaktor war ihr umfassendes Wissen über Holz. Einst beherrschten sie große Teile des Nordatlantiks und die längste Küste der zivilisierten Welt.

Dank ihrer Techniken zum Bau von Holzschiffen stiegen sie zur führenden Seefahrernation der Welt auf. Diese Fähigkeiten brachten die Wikinger lange vor Kolumbus sogar bis in die Neue Welt – oder Vinland, wie es der Entdecker Leif Eriksson nannte.

Die Kraft des Holzes

Ob Wikingerschiffe, nordische Mythologie, die Ankunft des Christentums oder kulturelle Einflüsse aus anderen europäischen Ländern: Wichtige wie dramatische Geschichtslektionen sind durch kunstvolle Schnitzereien in den Stabkirchen buchstäblich in die Wände gemeißelt. Fabelwesen und altnordische Götter mit großen Augen und langen Bärten blicken auf uns herab – und gehören heute in die neue christliche Kirche.

Mit der wachsenden Bevölkerung wurden auch größere Kirchen benötigt. So wurden fast alle der über 1000 (vielleicht bis zu 2000) norwegischen Stabkirchen abgerissen. Heute existieren nur noch 28 Stabkirchen.

Doch die Handwerkskunst ist bis in die Gegenwart erhalten geblieben. Die traditionellen Bautechniken kann man in der neueren und zeitgenössischen norwegischen Holzarchitektur bewundern.

Entdecken Sie die Geschichte des Holzes

Besuchen Sie norwegische Fjorde und Täler mit lebendigen Holzbau-Traditionen, wie Gudbrandsdalen, Hallingdal oder Setesdal, sowie die Regionen Trøndelag oder die Telemark. Hier können Sie mehr über Bautraditionen und unser reiches kulturelles Erbe erfahren.

Vielerorts kann man in liebevoll restaurierten alten Bauernhäusern speisen und übernachten. Oft wachsen auf den Dächern Gras und sogar kleine Bäume! Torvtak – Dächer aus Birkenrinde und Torf – waren bis ins 18. Jahrhundert üblich. Bis in die 1930er-Jahre wurde Birkenrinde in Norwegen häufig für Dächer verkauft.

Jetzt erleben Grasdächer ein überraschendes Comeback und sind auf modernen Hütten und in vielen urbanen Umgebungen zu sehen. Grasbüschel als Symbole der Postmoderne? Kann sein. Sicher ist jedenfalls: Insekten lieben es und es ist gut für die Umwelt!

Sie können auch gut in einem Rorbu oder Sjøbu, einer traditionellen Fischerhütte, in einzigartigen hölzernen Fiskevær oder Fischerdörfern in Nordnorwegen oder Fjord Norwegen übernachten.

Die niederländische Stadt Flekkefjord

Flekkefjord hatte im 16. und 17. Jahrhundert einen regen Holz- und Fischhandel mit Holland, und so wurde hier eine kleine holländische Siedlung gegründet.

Das heute noch bestehende Holländische Viertel war vor allem eine Folge der Heringsfischerei des 18. Jahrhunderts. Viele Fischer wurden dank großer Fänge reich und bauten mit den Gewinnen neue Häuser.

Handel auf dem Holzweg

Nach der glorreichen (aber auch ziemlich blutigen) Wikingerzeit folgte für Norwegen im Mittelalter ein dunkleres und weniger wohlhabendes Kapitel.

Wieder einmal war Holz von entscheidender Bedeutung für uns. Mit stärkeren Holzbooten konnten wir weiter vom Ufer entfernt fischen und Holz – Norwegens neues „Gold“ – nach ganz Europa transportieren, etwa in die Niederlande, Dänemark und später insbesondere nach Großbritannien.

Im 17. und 18. Jahrhundert waren die Niederlande das wohlhabendste Land der Welt und führend im Schiffbau, wodurch eine große Nachfrage nach starkem Holz entstand. Wussten Sie, dass große Teile Amsterdams auf Pfählen aus norwegischen Bäumen ruhen?

Viele der idyllischen, weißen Holzhäuser sind Zeugen der Holzhandelszeit und können noch heute besichtigt werden. In Südnorwegen entwickelten sich Städte wie „die Holländische Stadt“ Flekkefjord sowie Mandal und Risør, „die Holzhausstadt“. Sie waren als Schifffahrtshäfen wichtig für den Holz- und Fischereihandel.

Doch leider war man mit einigen Trends der damaligen Zeit auf dem sprichwörtlichen Holzweg, denn der unregulierte Holzhandel drohte große Teile der norwegischen Westküste komplett abzuholzen.

Mehrere riesige Kanäle wurden gebaut, um Holz aus weiter entfernten, bewaldeten Binnentälern zu Küstenhäfen zu transportieren. Heute können Sie auf historischen Holzschiffen sowohl auf dem 105 Kilometer langen Telemarkkanal als auch auf dem Haldenkanal durch eindrucksvolle Schleusenkammern mit Holzwänden reisen.

Holz in einer neuen Epoche

Wie wir gesehen haben, verrät unsere Holzarchitektur auch viel über das Zusammenspiel von Gegenwart und Vergangenheit.

Mit dem Wandel der Zeit kamen immer wieder neue Trends auf – manche gingen wieder, andere blieben bestehen. Sie können die Fußabdrücke aller populären europäischen Kunststile in der norwegischen Holzarchitektur erkennen: von Renaissance, Klassizismus und Barock bis hin zu Jugendstil, Funktionalismus und Moderne.

Besonders hervorzuheben sind die alten Häuser im Patrizierstil sowie Häuser im romantischen, norwegischen Schweizerstil, die Sie in ganz Norwegen entdecken. Extratipp für Zugreisende: Viele der älteren Stationen sind wunderbare Beispiele für diesen Stil!

Mehrere verheerende Stadtbrände – wie etwa 1904 in Ålesund – ebneten den Weg für eine Politik des Baus von Betonbauten in städtischen Gebieten.

Doch als nach dem Zweiten Weltkrieg Baumaterialien Mangelware waren, half uns Holz beim Wiederaufbau der Häuser. So begannen billige Fertighäuser das Land zu überschwemmen.

Doch die wahre Holz-Renaissance kam erst später…

Prominente norwegische Architekten, die Holz oft als Hauptmaterial verwenden:

Eine Zukunft aus Holz

Norwegische Ingenieure, Designer und Architekten entdecken und erfinden stets neue Ideen für die Verwendung von Holz. Das vielseitige, erneuerbare und extrem flexible Material kann sogar Wirbelstürmen und drastischen Klimaveränderungen standhalten.

„Wir denken, dass Holz der richtige Werkstoff für die grüne Wende im Bauwesen ist. Es ist wunderschön und eine sehr nachhaltige und umweltfreundliche Lösung“, sagt Siv Helene Stangeland, Partnerin und Kreativdirektorin des Architekturbüros Helen & Hard.

Ihre Firma hat unter anderem die preisgekrönte Vennesla-Bibliothek und das atemberaubende Bürogebäude Finansparken entworfen.

„Holz ist zudem ein organisches Material, das uns mit der Natur verbindet und eine haptische Qualität hat. Es riecht gut, es sorgt für eine sehr gute Akustik im Raum und es hat eine gewisse Wirkung auf uns – es beruhigt uns. Holzarchitektur hat daher das Potenzial, uns ein besseres Leben zu ermöglichen“, ergänzt Stangeland.

Seit 2000 ist Innovation Norway federführend bei Initiativen und spielt eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der Entwicklung neuer und innovativer Verwendungsmöglichkeiten von Holz im Bauwesen.

Und die Ergebnisse können sich sehen lassen. Neben Brücken, Einkaufszentren, Flughäfen, Sporthallen, Bürogebäuden, Studentenwohnheimen und Vogelbeobachtungshütten wurden auch einige wirklich erstaunliche Wohnhäuser und Hütten aus Holz gebaut. Ganz zu schweigen von den spektakulären Aussichtspunkten und Rastplätzen entlang den Norwegischen Landschaftsrouten.

Neue Pläne für Holzbauten boomen derzeit.

Eine nachhaltige Hoffnung

Drei Viertel Norwegens sind von Wald bedeckt. Nach dem Forstgesetz müssen Landbesitzer neue Bäume pflanzen, um die alten, gefällten Bäume zu ersetzen. Dadurch wird ein zu 100 Prozent erneuerbarer Kreislauf sichergestellt. Darüber hinaus wurden strenge Umweltstandards und Umweltprogramme zur Sicherung der Biodiversität und Wiederaufforstung implementiert.

„In Norwegen haben wir tatsächlich nur zwei Drittel des jährlichen Wachstums in unseren Wäldern abgeholzt“, sagt Krister Moen, Leiter der innovativen Holzprogramme von Innovation Norway.

Obwohl in der Branche bereits große Fortschritte erzielt wurden, steht das Beste vielleicht noch bevor. Holz ist ein äußerst vielseitiges Material und kann auf neue – und unerwartete – Weise zu unserer Zukunft beitragen.

„Alles, was aus Öl hergestellt werden kann, kann auch aus Bäumen hergestellt werden. Viele Teile von Bäumen können tatsächlich gegessen werden. Die Gemeine Fichte ist der einzige natürliche Geschmacksersatz für Vanille“, sagt Moen.

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