Kein Leben ohne Meer
Norweger haben eine lange und enge Verbundenheit zum Meer. Der saisonale Fischfang auf Skrei (arktischer Kabeljau) sicherte den Menschen im hohen Norden das Überleben. Stockfisch (getrockneter Skrei) war jahrhundertelang Norwegens wichtigstes Exportgut. Auch heute riecht man in vielen Fischerdörfern noch den „Geruch des Geldes“ – so nennt man in Nordnorwegen den Stockfisch, der an den Trockengestellen hängt.
Und wie man weiß: Geld stinkt nicht. So führte der florierende Handel mit europäischen Ländern zum Wachstum wohlhabender Städte, überall entlang der norwegischen Küste entstanden Fiskevær. Solche Dörfer gibt es vor allem an der Küste Fjord Norwegens und Nordnorwegens.
Erfahren Sie mehr über die Rolle der Fische beim Aufbau Norwegens.
Das Meer als Autobahn
In früheren Zeiten war das Meer oft der einzige Verkehrsweg zwischen zwei Orten. Daher entdecken Sie viele der berühmtesten Fiskevær an einzigartigen und wunderschönen Orten, umgeben von Fischgründen. Mit dem Auto dauert die Anreise auch heute oft sehr lange, aber natürlich gibt es immer noch den direkten Seeweg.
Ein guter Standort war früher besonders wichtig, denn die Fischer mussten mit ihren kleinen Holzbooten zu den Fischgründen rudern. Erst ab der Ära der Dampfschiffe und der kleinen motorisierten Fischereifahrzeuge (Sjarker) konnte weiter draußen auf dem Meer gefischt werden.
Während der Skrei-Saison war das kleine Fischerdorf Henningsvær auf den Lofoten oft so überfüllt:
Häuser am Meer
In den oft winzigen Fischerdörfern fanden Einheimische und Saisonfischer einfache Unterkünfte. Letztere kamen aus dem ganzen Land und lebten von den Reichtümern des Meeres. Sie finden in den Dörfern aber auch einige stattliche Häuser namens Væreierboliger. Hier lebten wohlhabende Kaufleute (Væreier), die praktisch über alles herrschten: über Geschäfte und Unterkünfte, Fischgründe und Hafenanlagen – oft sogar über die Kirche! Sie verloren nach und nach an Bedeutung, aber viele behielten bis weit in die 1970er Jahre ihre Macht.
Ihre Häuser waren meist weiß gestrichen, da dies die teuerste Farbe war. Die anderen Häuser wurden oft ockerfarben oder rot gestrichen, denn diese Farben waren viel billiger. In vielen typisch norwegischen Fiskevær sind die Häuser noch immer so gestrichen.
Renovierte Fischerhütten – sogenannte Rorbuer – sind heute eine beliebte Art der Unterkunft, auch bei Urlaubern.
Moderne Fischerdörfer
Die Fischerei ist nach wie vor die Lebensgrundlage für viele Fiskevær. Zudem sind die traditionellen Fischerdörfer dank des Tourismus und kreativer Menschen sehr lebendig: Restaurants, Galerien, Kunsthandwerksläden und einzigartige Unterkünfte schaffen eine charmante Atmosphäre.
Von Südnorwegen über Fjord Norwegen und bis hin zur Küste hinauf nach Kirkenes in Nordnorwegen entdecken Sie malerische, authentische Fischerdörfer. Einige sind perfekt für einen ruhigen und erholsamen Aufenthalt, andere bieten jede Menge Abenteuer und Action im Freien. Viele veranstalten zudem verschiedenste Festivals – von Poesie bis Rock'n'Roll!
Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: die Nähe zum Meer mit fischreichen Gewässern und natürlichen Häfen. Für Feinschmecker ist die norwegische Küste ein Paradies, mit frischen Fischen und Meeresfrüchten sowie anderen Zutaten aus der Region.
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Nordnorwegen
Die meisten berühmten Fischerdörfer Norwegens liegen in Nordnorwegen. Die Region könnte einer norwegischen Ansichtskarte entsprungen sein: typische Landschaften mit roten Bootshäusern, Fischerhütten und zahlreichen Zeugnissen der Skrei-Fischereitradition, rundherum mächtige Berge.
Probieren Sie traditionelle Fiskesuppe (Fischsuppe), Bacalao und verschiedene Skrei-Gerichte (arktischer Kabeljau). Lassen Sie sich die mächtige Königskrabbe nicht entgehen und probieren Sie unbedingt Stockfisch (Tørrfisk). Die Region ist auch für das ausgezeichnete Lammfleisch berühmt.
Hier sind einige der beliebtesten Fiskevær:
Lofoten
Auf der Inselgruppe reiht sich ein Fiskevær an das Fiskevær andere! Henningsvær ist wahrscheinlich das berühmteste Fischerdorf. Neben vielen angesagten Cafés, Restaurants und unabhängigen Geschäften können Sie hier auch erstklassige Kunstgalerien besuchen, darunter die bekannte Kaviar Factory. Sie können auch Yoga-Kurse machen, saunieren, Festivals im Trevarefabrikken besuchen und an einem Kletterkurs im Klatrekaféen teilnehmen. In dieser atemberaubenden Landschaft gibt es unglaublich viel zu sehen und zu erleben.
Kabelvåg, Ballstad und Stamsund sind ebenfalls beliebte Reiseziele zum Wandern, Angeln und Kajakfahren. Weiter draußen am Meer wirkt das berühmte Dorf Nusfjord wie ein lebendiges Freilichtmuseum, und auch die malerischen Dörfer Reine, Sørvågen und Å sollte man gesehen haben. In Kabelvåg und Å finden Sie faszinierende Museen, die die Geschichte der Fischerdörfer erzählen.
Empfehlenswert sind zudem Bootsfahrten (kostenlos, wenn Sie kein Auto auf der Fähre mitnehmen!) zu den florierenden Fischerdörfern auf den kleinen Inseln Skrova, Røst und Værøy.
Vesterålen
Hier erleben Sie eine deutsche Erfolgsgeschichte und ein für Nordnorwegen einzigartiges Fiskevær: Nyksund. Einst eines der wichtigsten Fischerdörfer des 20. Jahrhunderts, verwandelte sich Nyksund in den 1970er Jahren in eine Geisterstadt. In den letzten Jahrzehnten erweckte eine enthusiastische Gruppe deutscher Einwanderer das Dorf jedoch wieder zum Leben. Heute wohnt in dieser winzigen Gemeinde wieder knapp ein Dutzend eigenwilliger Einwohner. Der Ort ist zwar klein aber oho! Neben mehreren guten Restaurants, Kunstgalerien und Unterkünften gibt es hier sogar ein Aufnahmestudio. Die kreative und hippe Atmosphäre ist perfekt für eine Workation und beliebt bei Remote-Mitarbeitern und digitalen Nomaden.
Stø ist ein weiteres kleines Fischerdorf auf den Vesterålen – nehmen Sie von hier an einer Walsafari teil! Walbeobachtungstouren beginnen auch bei Andenes, einer größeren Stadt mit vielen Freizeitaktivitäten und dem Andøya Space Center. Skipnes und Tinden sind kleine aber traumhafte Geheimtipps und tolle Ausflugsziele im Sommer. Myre ist hingegen ein modernerer Fischereihafen.