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Besuchen Sie eine der besten Kaffeebars der Welt

Hier nahm Oslos moderne Kaffee-Revolution ihren Anfang.

Lernen Sie Tim Wendelboe kennen – den Barista-Weltmeister, der Oslo bei Kaffee-Fans weltweit bekanntmachte.

Seit Jahren zählt die Kaffeebar zu den besten der Welt. Tim Wendelboe hat sein Café im Osloer Stadtteil Grünerløkka aufgebaut, angetrieben von einer stillen Besessenheit für Geschmack und Präzision sowie der Überzeugung, dass Kaffee immer noch besser werden kann.

Bei Tim Wendelboe kommt der Kaffee heller geröstet in die Tasse, als viele erwarten würden.

Frisch. Klar. Fast wie Tee.

Statt dunkler Schokolade und röstiger Bitterkeit treten florale Noten sowie eine ausgeprägte fruchtige Süße und eine lebendige Säure in den Vordergrund – genau die Art von nordisch-geröstetem Kaffee, die Oslo weltbekannt gemacht hat.

Im kleinen Osloer Café stehen kaffeebegeisterte Reisende neben Einheimischen und Stammgästen an. Espressomaschinen zischen ununterbrochen, während die Baristas hinter der Theke schnell und routiniert arbeiten. An der Wand hinter der Theke zeugen Trophäen von der internationalen Anerkennung des Cafés.

Es ist geschäftig, ohne jemals hektisch zu wirken.

In einem separaten Raum hinter dem Café steht Wendelboe vor Reihen von Kaffeetassen und verkostet schweigend mit einem Löffel. Es ist sein Ritual am Montagmorgen.

Er schlürft laut und bewusst und zieht dabei Luft durch den Kaffee, um die Aromen besser wahrzunehmen.

“Es ist wie Training. Man muss ständig verkosten, um darin gut zu werden.”

Tim Wendelboe

Barista-Weltmeister

In einem der Länder mit dem weltweit höchsten Kaffeekonsum verfeinert Tim Wendelboe seit Jahrzehnten sein Handwerk und hat Oslo bei Kaffee-Aficionados auf der ganzen Welt bekannt gemacht.

Dieses kleine Café hat sich zu einer der Top-Adressen der Stadt entwickelt.

Von der Latte mit Sirup zum Weltmeister

Heute kaum vorstellbar: Anfangs mochte Wendelboe Kaffee gar nicht.

„Ich habe mit Latte und Sirup angefangen“, sagt er lachend. „Ich glaube, ich habe Mocha mit Kokossirup getrunken. Das schmeckte wie ein Bounty-Riegel.“

Er begann 1998 als Barista zu arbeiten, lange bevor Spezialitätenkaffee in Norwegen im Trend lag.

Damals ging es beim Kaffee vor allem um Stärke und Routine.

„Die Leute wollten wenig Säure und starken Kaffee“, sagt er. „Heute bevorzugen viele etwas Fruchtigeres und Frischeres.“

In den folgenden Jahren wurde Wendelboe zu einer der prägenden Persönlichkeiten der modernen Kaffeekultur. Nach seinen Silbermedaillen bei der World Barista Championship 2001 und 2002 wurde er 2004 Barista-Weltmeister. Diese Erfolge halfen ihm später, sein eigenes Café und seine eigene Rösterei im angesagten Osloer Stadtteil Grünerløkka zu eröffnen.

Doch für ihn ging es beim Kaffee nie um Trophäen.

„Wozu sollte man sonst hierherkommen?“

Laut Wendelboe hat sich der Kaffee in den letzten zwanzig Jahren drastisch verändert.

„Die Rohstoffe sind heute viel besser“, sagt er. „Es gibt viel mehr Vielfalt.“

Während Kaffee früher zusammengemischt wurde, liegt der Fokus beim Spezialitätenkaffee auf einzelnen Farmen, Regionen und Aufbereitungsmethoden.

„Früher war Kaffee von einer einzigen Plantage nicht wirklich üblich“, sagt er. „Heute ist es den Leuten wichtig, woher ihr Kaffee kommt.“

Dieser Wandel hat auch die Kunden selbst verändert.

„Viele Menschen sagen, dass sie keinen säurebetonten Kaffee mögen“, sagt er. „Aber wenn sie ihn probieren, mögen sie ihn dann doch.“

Es gehört zu seiner Philosophie, die Menschen ein wenig herauszufordern.

„Warum sollte man hierherkommen, wenn man einfach nur das Gleiche trinken möchte wie immer?“

Diese Einstellung prägt den gesamten Ansatz des Cafés.

Neue Mitarbeiter werden bis zu sechs Monate lang eingearbeitet. Sie lernen dabei nicht nur Zubereitungstechniken, sondern auch den Umgang mit Gästen.

Vom Bau zum Barista

Das Café selbst spiegelt seine Philosophie wider: praktisch, unaufdringlich und sorgfältig durchdacht.

Als Wendelboe den Laden eröffnete, hatte er kaum Geld.

Das Café war früher ein alter, typischer Friseursalon aus den 1960er-Jahren. Statt alles wegzuwerfen, entschied er sich, viele der ursprünglichen Materialien wiederzuverwenden.

Er baute einen Großteil des Raumes selbst um, und die Theke wurde aus der alten Teakholzdecke gefertigt.

„Hier gab es viele tolle Materialien“, sagt er. „Also haben wir sie wiederverwendet.“

Bis heute schleift und behandelt er die Böden jedes Jahr selbst.

Der Oslo-Effekt

Das weiche, reine Wasser Norwegens macht es einfacher, guten Kaffee zuzubereiten – für Wendelboe ein großer Vorteil.

Dank einer Generation ambitionierter norwegischer Baristas und Röster entwickelte sich Oslo nach und nach zu einem weltweiten Hotspot für Kaffee-Fans.

Auch die ebenfalls sehr bekannte Kaffeebar und Rösterei Fuglen am zentral gelegenen Youngstorget machte die nordische Kaffeekultur international bekannt – insbesondere in Japan, wo es inzwischen mehrere Fuglen-Cafés gibt.

Für Wendelboe ist die Arbeit im Grunde nie abgeschlossen.

„Kaffee verändert sich ständig“, sagt er. „Deshalb nehmen wir laufend kleine Anpassungen vor.“

Zudem kommt nach dem Rösten erst mal das Rasten:

„Wenn Kaffee ganz frisch ist, schmeckt alles einfach nur röstig“, sagt er. „Zu Hause lasse ich ihn meistens etwa zwei Wochen ruhen, bevor ich ihn aufbrühe.“

Trotz der internationalen Anerkennung will er keine weiteren Cafés eröffnen.

Für Wendelboe bleibt dieser kleine Ort – einst Gretes Salon mit Haartrocknern und Scheren, von ihrem Ehemann gefliest und im unverwechselbaren Stil der 1960er-Jahre eingerichtet – das Café, das er weiterhin perfektionieren möchte.

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