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„Brot ist Teil der norwegischen Identität. Als ich hierherzog und all die unterschiedlichen Arten von Getreide und Grovbrød (Vollkornbrot) entdeckte, war ich ziemlich beeindruckt“, erzählt Neil Allsopp.

Er ist der Kopf hinter Sour To The People im ostnorwegischen Hønefoss, eine der vielen traditionellen Handwerksbäckereien, die überall in Norwegen auftauchen. Vor zehn Jahren zog der ehemalige Büchsenmacher aus England über den Teich nach Norwegen und fing ein neues Hobby an: das Backen.

Inzwischen ist er ein echter Sauerteigprofi und freut sich jeden Morgen darauf, sein leckeres Brot zu backen. Ja, er ist geradezu besessen davon (sagt er selbst).

„Sauerteig herzustellen, hat etwas Schöpferisches. Du beginnst mit etwas Mehl, Wasser und Salz und hast wenige Tage später ein gesundes Lebensmittel. Es dauert zwar ein bisschen länger als normales Brot, aber es lohnt sich! Sauerteigbrot bleibt länger frisch und ist sehr gut für die Verdauung“, erklärt er.

Zeit für Zärtlichkeit

Sauerteig ist nicht neu, wurde aber in den vergangenen Jahren wiederentdeckt. Dieser Trend lässt sich überall auf der Welt beobachten und viele Menschen backen zu Hause mit Sauerteig.

„Das ist toll. Die Leute haben mehr Zeit, das war vor allem 2020 so. Auch die sozialen Medien haben diese Entwicklung beeinflusst, denn viele User probieren selbst gerne aus, was andere posten. Auf Instagram ist Brot ein echter Renner“, so Allsopp.

Für das Backen mit Sauerteig braucht es Geduld und liebevolle Zuwendung – ja, wirklich, man muss sehr behutsam vorgehen!

„Die Starterkultur stellt für die meisten die größte Hürde dar, denn man braucht schon ein wenig Geduld dafür. Sie muss täglich „gefüttert“ und darf nie vernachlässigt werden“, erklärt der Bäcker.

Rechnen Sie damit, dass Ihr erster Versuch in die Hose geht. Laut Allsopp ist es besser, bei den ersten Malen davon auszugehen, dass Ihr Brot nicht gelingt. Haben Sie den Prozess aber einmal verstanden, sind Ihrer Kreativität keine Grenzen mehr gesetzt. Sie können Ihr Brot sogar dekorieren, damit es auch so gut aussieht, wie es schmeckt.

Gesunde Energie

Allsopp findet es sehr positiv, dass so viel Brot gegessen wird; vor allem wenn es voller gesunder und nahrhafter Zutaten steckt. Damit Ihr Brot schön kräftig schmeckt, können Sie alles reinpacken, von Samen bis zu Nüssen. Langeweile gibt es nicht – sogar Bäcker wie Allsopp haben nie genug von ihrem Brot!

„Es gibt immer noch so viele Kombinationen, die ich noch nicht ausprobiert habe. Und die vielen unterschiedlichen Arten von Pålegg (Belegen) ergänzen den Geschmack des Brots noch“, schwärmt er.

Für Allsopp ist der beste Geschmack den besten Zutaten zu verdanken. Er verwendet nur regionale Bioprodukte und arbeitet eng mit talentierten Bauern und Bäuerinnen zusammen.

„Getreide hat in Norwegen schon immer eine sehr wichtige Rolle gespielt. Früher nannte man es Gudslånet, ‚Leihgabe von Gott'“, sagt Bodil Nordjore.

Die norwegische Kochbuchautorin wurde für ihre Arbeit zum Thema norwegische Lebensmittelkultur schon mehrfach ausgezeichnet. Meistens wird sie jedoch nach Brot gefragt. Und darum widmete sie dem Thema ein ganzes Buch: 255 Seiten über Brød, inklusive 120 Rezepte!

Uralte Traditionen

Die Wikinger mahlten das Korn noch mit der Hand und verarbeiteten es zu Fladenbrot, das dann auf einer heißen Steinplatte gebraten wurde.

„Dieses Brot, Brauðiskr (Brotplatte) genannt, belegten sie mit Fisch oder Fleisch.“

Das ist sozusagen die original norwegische Pizza. Mit Lefse (süßes Fladenbrot) und Flatbrød (ungesäuertes Fladenbrot, das zu Fisch oder Suppen gegessen wird) haben wir diese Tradition am Leben erhalten. Doch dank moderner Technologien haben sich auch unsere Backtraditionen modernisiert und heute kommt unser Brot in allen möglichen Formen und Größen daher.

„Unsere häufigsten Brotsorten beruhen auf Hafer, Gerste und Weizen, aber wir lassen uns auch von internationalen Traditionen inspirieren, wie französisches Landbrot oder italienische Focaccia“, sagt Nordjore.

Sie betont, dass wir neuen Trends gegenüber zwar offen sind, aber häufig auf das zurückgreifen, was wir kennen und lieben: das gesunde, nahrhafte „Alltagsbrot“ mit dem vollen Korn.

Neben unserem geliebten Grovbrød (Vollkornbrot) mögen wir auch KneippbrødLandbrød und Roggenbrot.

Auch was Gutes gönnen wir uns: Am Wochenende oder an Feiertagen backen wir gerne Loff(Weißbrot) in verschiedenen Varianten. Die Grundzutaten sind Weizenmehl, Milch, Butter und Hefe, aber viele Norweger haben ihre eigenen Rezepte. Einige mögen es gerne süß und fügen Zucker und Eier hinzu, andere streuen vor dem Backen Mohn aufs Brot.

Und dann gibt es noch die weihnachtliche Version: Julebrød mit Rosinen ... hmmmmm! Es ist süß, ein bisschen wie eine Bolle und schmeckt besonders gut mit braunem Käse. Julebrød heißt Weihnachtsbrot, aber es schmeckt viel zu gut, um es nur einmal im Jahr zu essen. Viele backen es daher, wann immer sie Lust haben.

Laut Nordjore ist „Brotbacken superleicht“, egal welche Sorte man am liebsten isst. Genau darum ist es so beliebt in Norwegen.

„Und außerdem ist Vollkornbrot sehr sättigend. Zwei Skiver oder Scheiben reichen bis zur nächsten Mahlzeit“, fasst sie zusammen.

Unsere Brotliebe in Zahlen

In Norwegen kann man überall Brot kaufen: in Bäckereien oder Lebensmittelgeschäften (oft mit 10 – 15 verschiedenen Sorten!) und auch in einigen Tankstellen. Laut Sissel Flesland Markedsinformasjoner AS, ein Unternehmen, das Statistiken für die Backindustrie erfasst, kaufen die Norweger jährlich 206.115 Tonnen (!) Brot.

Im Durchschnitt verzehrt also jede Norwegerin und jeder Norweger ca. 38,5 Kilo Brot im Jahr. Brötchen und Baguettestangen – oder das Brot, das wir zu Hause backen – sind in diesen Zahlen noch nicht mal enthalten! Tja, wie gesagt, wir Norweger essen viel Brot ...

Und mögen es gar nicht, es zu verschwenden. Die Norwegische Informationsstelle für Brot und Getreide versorgt uns immer wieder mit neuen Ideen, wie wir trockenes übriggebliebenes Brot verwenden können, von Toast und Croutons bis hin zu Churros (ein süßes Gebäck aus Spanien).

So verwerten wir unser Brød bis zum allerletzten Krümel – das ist gesund und gut für den Geldbeutel! Wie könnte man es auch nicht mögen? Na los, binden Sie sich die Schürze um und entdecken Sie die vielfältige Welt von norwegischem Brød!

Gesundes Brot aus dem eigenen Ofen

Na? Haben Sie Lust bekommen, Brot von der Einkaufsliste zu streichen und selbst Hand anzulegen? Probieren Sie doch mal das Rezept der Norwegischen Informationsstelle für Brot und Getreide für dunkles Brot mit Gerste und Hafer! Es ist gesund und richtig lecker! Das Rezept stammt von dem talentierten norwegischen Bäcker Arild Mellemsæther.

Dieses Rezept ist für: 2 Kastenbrote
Schwierigkeitsgrad: mittel
Benötigte Zeit insgesamt: 3 – 4 Stunden, einschl. Vorbereitung, Ruhephasen und Backzeit.

Zutaten

Körner zum Einweichen
150 g dunkles Vollkornschrot
25 g Weizenkleie
60 g Gerstenmehl
60 g Hafer
350 ml Wasser

Hauptteig
450 g Weizenmehl
300 g Vollkornmehl
20 g Salz
25 g frische Hefe
350 ml entrahmte Milch

Etwas Milch zum Glasieren und Hafer zum Garnieren.

Anleitung

1. Körner einweichen: Vermischen Sie das Vollkornschrot, die Weizenkleie, das Gerstenmehl, Hafer und Wasser in einer großen Rührschüssel. Lassen Sie das Getreide ca. 30 Minuten lang bei Zimmertemperatur einweichen.

2. Teig zubereiten: Geben Sie die übrigen Zutaten in die Rührschüssel. Kneten Sie den Teig mit einer Küchenmaschine, erst 3 Minuten lang bei langsamer Geschwindigkeit, dann 3 weitere Minuten bei höherer Geschwindigkeit.

3. Lassen Sie den Teig ca. 30 Minuten lang ruhen und kneten Sie ihn dann nochmal mit Ihren Händen. Lassen Sie ihn weitere 20 Minuten ruhen.

4. Teilen Sie den Teig in zwei Hälften, um zwei Kastenbrote zu backen. Bestreichen Sie den Teig mit Milch und rollen Sie ihn dann durch den Hafer. Geben Sie ihn anschließend in zwei 2-Liter-Kastenformen. Decken Sie den Teig ab und lassen Sie ihn erneut an einem warmen Ort ca. 40 Minuten lang ruhen.

5. Heizen Sie den Ofen auf 210° C vor. Backen Sie das Brot im unteren Bereich des Ofens, bis es goldbraun ist. Das dauert ca. 40 Minuten.

6. Stürzen Sie das Brot sofort aus der Form und lassen Sie es auf einem Kuchengitter auskühlen.

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