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Kristine Five Melvær Kristine Five Melvær
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Kristine Five Melvær.
Photo: Erik Five Gunnerud/Norwegian Design Council
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Wo Natur auf Minimalismus trifft

Eine neue Designerwelle ist auf dem Vormarsch. Klassische Ikonen werden neu entdeckt. Was haben Blitz, Regenbekleidung, Wolle und Reisepässe gemeinsam? Sie gehören zu den neuen norwegischen Designs, die weltweit auf sich aufmerksam machen.

„Stilvolles Design aus Skandinavien“. Auch wer nicht Form und Funktion zum Frühstück verspeist oder einen ganzen Haufen klassischer Designmagazine abonniert hat, ist mit dieser Phrase irgendwie vertraut.

Der Begriff skandinavisches Design wurde in den 1950er Jahren geprägt. Zu dieser Zeit reisten Designer aus Norwegen und anderen skandinavischen Ländern durch die Welt, um ihre von Minimalismus und Funktionalität beeinflussten Produkte vorzustellen.

Mag sein, dass wir Norweger bei der Vermarktung unserer Designikonen aus der Nachkriegszeit nicht ganz so kompetent oder ehrgeizig wie unsere schwedischen und dänischen Nachbarn waren. Doch das könnte man durchaus als Vorteil werten: Die neue Designergeneration kann sich viel freier ausdrücken, ohne ständig einer Legende gerecht werden zu müssen.

Schon jetzt stoßen viele junge Designer auf internationale Anerkennnung. Sie arbeiten mit unterschiedlichen Formaten. Doch sie haben eine gemeinsame Linie: ihre Bereitschaft, zu experimentieren und Risiken einzugehen.

Inspiriert von globalen Trends, arbeiten heute viele norwegische Designer stets mit Blick auf den internationalen Markt. Hierdurch lässt sich ein einheitliches norwegisches Design nur schwer definieren. Von der Natur inspirierte Formen, anmutige Linien und Licht nehmen jedoch fast immer einen wichtigen Platz ein.

Auch die Landschaft, das Wetter und der Lebensstil Norwegens haben die Arbeit zahlreicher Designer geprägt. Es ist sicherlich kein Zufall, dass einige der bekanntesten Bekleidungsmarken sich in den vergangenen Jahren auf Regenmode oder warme Kleidung aus Wolle spezialisiert haben. Sie stellen Kleidung für normale Menschen mit Sinn für Mode her. Luxusbekleidung dagegen wird von norwegischen Modedesignern eher selten entworfen. Oft stehen Lampen und Beleuchtung im Mittelpunkt der Arbeit norwegischer Designer – angesichts langer und dunkler Winter wohl eine naheliegende Wahl.

Außerdem hat Norwegen einen großen öffentlichen Sektor, und einige der spannendsten Designprojekte der letzten Jahre wurden im Auftrag von Behörden aufgeführt. Die von Snøhetta und The Metric System entworfenen neuen Banknoten beispielsweise wurden auf Anhieb zum Klassiker. Genau wie das neue Design des norwegischen Reisepasses, der sich in frischen Farben und mit einfachen Darstellungen der norwegischen Naturlandschaften präsentiert.

Hierzu der Guardian: „Wenn der Reisepass die nationale Identität repräsentiert, hat das neue Design der norwegischen Ausweispapiere den Ruf Norwegens als Land schlichter, minimalistischer Schönheit zweifellos vertieft“.

Norwegisches Design – was heißt das nun genau?

Fröhliche Kleidung und klassische Regenmode

Ein pinkfarbener Traktor. Das ist wahrscheinlich die bekannteste Bekleidungsikone aus Norwegen der vergangenen Jahre, als der Label Moods of Norway sich zum internationalen Mode-Powerhouse mit Flagshipstores in New York City, Los Angeles und anderen Citys entwickelte.

Fröhliche Kleidung für fröhliche Menschen – das ist das Motto der Marke. Ihre Blazer, Jacken, Hemden, Schuhe und unzähligen Accessoires kommen in lebendigen Farben und Mustern daher.

Während Moods of Norway eher den Geschmack der Massen trifft, gibt es in Norwegen auch zahlreiche Designer, die im oberen Segment des Modespektrums tätig sind. Viele von ihnen werden in den großen Traditionshäusern in Metropolen wie New York, Tokio und Paris verkauft.

Norwegian Rain und Swims sind klassische Marken für Regenbekleidung, während Holzweiler eine ungewöhnliche Schalkollektion aus Cashmere, Seide und Wolle produziert. Die zentrale Rolle der Jahreszeiten in Norwegen wird von der Marke Fall Winter Spring Summer unterstrichen. Diese produziert Damenbekleidung mit der typisch unaufgeregten Ästhetik Skandinaviens, die für eine ausgewogene Balance von Femininität und Maskulinität sorgt.

Johnnylove, ein Label aus Trondheim, ist ein Beispiel dafür, dass sich nicht nur in Oslo spannende Dinge entwickeln.

Design fürs Leben

Die Meisten denken bei „Design“ zuerst an Möbel oder elektronische Produkte. Doch Bildungsinstitute wie die Architektur- und Designhochschule Oslo rücken vermehrt etwas anderes in den Mittelpunkt: die Rolle, die Designer bei der Problemlösung in der Gesellschaft allgemein haben können – sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor.

Was können Designer tun, um Abgase zu reduzieren und zu einer nachhaltigen Gesellschaft beizutragen? Oder um öffentliche Plätze zu bauen, wo Kinder herumlaufen und spielen können, so sie wie sie Lust haben? Ein viel diskutiertes Beispiel hierfür war, als ein Designerteam mit einer Osloer Universitätsklinik zum Thema Krebsdiagnose zusammenarbeitete. Es gelang den Projektteilnehmern, die Wartezeit von zwölf Wochen auf sieben Tage zu reduzieren!

Das Designinstitut an der Architektur- und Designhochschule Oslo gehört inzwischen zu den besten der Welt. Und im norwegischen Zentrum für Design und Architektur (DOGA) können Sie Ausstellungen, Konferenzen und andere Events erleben, die den positiven Einsatz von Design und Architektur fördern.

Perspektive einer norwegischen Designerin

Photo of designer Kristin Five Melvær Landscape

„Ich denke, norwegische Designer haben ein ausgeprägtes Freiheitsverständnis, wenn es um die Entwicklung neuer Projekte geht. Im Gegensatz zu unseren Nachbarländern gibt es bei uns keine starke heimische Industrie, die als vereinheitlichende und zugleich einschränkende Plattform dienen könnte.

Weil sich viele Designer Partner außerhalb Norwegens suchen, könnte es eine Tendenz geben, dass jeder Designer seine eigenen persönlichen Stärken, Interessen und Ausdrucksformen kultiviert und so den ohnehin schon reichen und breiten Bereich des jungen norwegischen Designs erweitert,“ kommentiert Kristine Five Melvær, preisgekrönte Designerin für Geschirr, Beleuchtung, Möbel, textile Objekte und grafisches Design.

Norwegische Ikonen – alt und neu

Ende der 1960er Jahre entdeckte Norwegen Öl in der Nordsee. Dies könnte zur Beantwortung der Frage beitragen, warum andere Bereiche der norwegischen Industrie – z. B. Produktdesign – an Bedeutung verloren haben.

Es ist in den vergangenen Jahren jedoch viel unternommen worden, um diesen Umstand zu korrigieren. Eine äußerst erfolgreiche Ausstellung, Norwegian Icons, besuchte Metropolen wie Tokio und New York, um über 500 anspruchsvolle kunstgewerbliche Objekte und Einrichtungsgegenstände zu präsentieren, die zwischen 1940 und 1975 hergestellt wurden. Unter den ausstellenden Designern befanden sich u. a. Torbjørn Afdal, Grete Prytz Kittelsen, Tone Vigeland, Fredrik Kayser und Sven Ivar Dysthe.

Für diejenigen mit Interesse an weiteren modernen Designobjekten aus Norwegen: Einer der bekanntesten Hersteller von heute ist das Unternehmen Northern Lighting, das sich auf das Design und die Fertigung von Leuchten spezialisiert hat – inspiriert von skandinavischer Einfachheit und dem ständig wechselnden Charakter des natürlichen nordischen Lichts.

Viel Spannendes gibt es auch im Glaswerk Hadeland Glassverk zu bewundern. Dieses ist nicht nur für die Schönheit seines mundgeblasenen Glases bekannt. Sondern auch für seine Tradition, die Grenzen der Produktion und des Designs immer wieder herauszufordern und zugleich dieselben Methoden anzuwenden wie vor 250 Jahren.

2015 schrieb die New York Times einen Artikel über norwegische Designertalente. Genannt wurden u. a. Anderssen & Voll, die junge Keramikkünstlerin Victoria Gunzler und die Möbeldesigner Sara Wright Polmar, Hallgeir Homstvedt, Runa Klock und Stokke Austad.

Traditionell waren die meisten berühmten Produktdesigner Männer. Es ist jedoch erfreulich zu beobachten, dass immer mehr weibliche Designer die Welt des Dekors im Sturm erorbern. Achten Sie auf die Werke, die von Designerinnen wie Ingrid Aspen, Kristine Bjaadal und Silje Nesdal signiert wurden

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