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Pilgrimage.
Photo: David Tett
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Die wilden Pilger Norwegens

Warum begeben sich drei Männer auf eine abenteuerliche Pilgerreise mit Wildcampen?

Text von Tirza Meyer

Im Winter 2009 besichtigte Joly Braime aus Großbritannien den Nidarosdom in Trondheim. Hier entdeckte er auf einer Informationstafel einen Text über die Olavswege. Fünf Jahre lang brütete die Idee in seinem Hinterkopf: eine Pilgerreise nach Norwegen! Im Sommer 2014 während einer beruflichen Überbrückungsphase bot sich schließlich die perfekte Gelegenheit. Einen ganzen Monat würde er Zeit haben, um von Oslo nach Trondheim zu wandern. Sein britischer Freund Dave sollte etwas später dazustoßen, um ihn in den mittleren zwei Wochen auf der Wanderung zu begleiten.

Die übrige Zeit sollte er eigentlich allein unterwegs sein. Doch schon in den ersten paar Tagen seiner Reise traf er immer wieder auf einen freundlichen Pilger aus Michigan, USA, der ebenfalls Dave hieß. Nachdem sich ihre Wege einige Male gekreuzt hatten, marschierten sie den restlichen Weg nach Trondheim gemeinsam. Joly sprach mit uns über seine Reise mit den beiden Daves: drei „wilde“ Pilger auf dem Weg nach Trondheim.

Pilgrimage
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Dovrefjell.
Photo: David Tett

Wandern im hügeligen Wunderland

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Dovrefjell.
Photo: David Tett

Was hat dich an einer Pilgerfahrt nach Norwegen gereizt?

Die Idee, den ganzen Weg zu Fuß zurückzulegen und am Ende des Tages irgendwo zu campen, hörte sich nach einem ziemlich guten Abenteuer an. Auch das Wildcampen hat mich gereizt, denn das ist in England fast überall verboten.

Gibt es einen Unterschied zwischen einer normalen Wanderung und einer Pilgerreise?

Wandern hat viele gute Seiten. Aber ich denke, es ist schon anders, wenn man eine Strecke entlangwandert und die Menschen wissen, warum. Die Einheimischen dort kennen den Weg gut und wussten, dass wir Pilger waren. Deshalb waren viele sehr herzlich und offen zu uns. Auch die Gastfreundschaft war erstaunlich. Es wurde uns oft  weitergeholfen.

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Dovrefjell.
Photo: David Tett

Joly und einer der Daves in Dovrefjell

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Dovrefjell.
Photo: David Tett

An einem wahnsinnig heißen Tag im Sommer schleppte ich mich unter der brütenden Sonne die Straße entlang, als plötzlich eine Frau aus ihrem Haus angelaufen kam und mir eine Flasche kaltes Wasser entgegenwinkte. Am Ende lud sie mich sogar zu einer Tasse Kaffee und einem kleinen Mittagsmahl mit ihrer Familie ein. Solche Dinge sind uns immer mal passiert.

Hattet ihr irgendwelche interessanten Erlebnisse, die ihr als normale Wanderer vielleicht nicht gehabt hättet?

Also, die Kirchen, an denen wir vorbeigekommen sind, waren eine interessante Erfahrung. Keiner von uns ist besonders religiös, aber die Kirchen luden geradezu dazu ein, eine kleine Pause zum Nachdenken und Ausruhen einzulegen. Wenn unterwegs eine geöffnet war, gingen wir hinein und setzten uns für zehn oder fünfzehn Minuten still hin, einfach nur so, um ein bisschen nachzusinnen.

Das war wie eine Art Zeichen, das man während der Reise setzt und das man in anderen Abenteuern nicht unbedingt hat. Es waren sehr spirituelle und ruhige Orte, und jede hatte ihren ganz eigenen Charakter. Manche waren aus Holz, manche aus Stein, andere aus Schiefer. Einige waren uralt und andere sehr modern.

Wer zu so einer Reise aufbricht, stellt sich auf einmal die großen, wichtigen Fragen im Leben. Warum?

Na ja, man hat natürlich viel Zeit nachzudenken. Vielleicht hat es aber auch damit zu tun, dass die Strecke ja ursprünglich dazu diente, dass die Menschen unterwegs zur Ruhe kommen und über das Leben reflektieren. Das lässt sich kaum vermeiden.

Du wanderst auf einer Strecke, auf der Menschen schon Hunderte Jahre vor dir gewandert sind, oft an einem kritischen Punkt in ihrem Leben. Das verleiht der Reise eine gewisse Spiritualität. Auch die Art, wie du behandelt wirst, spielt eine Rolle. Du wirst sofort als Pilger wahrgenommen und fühlst dich auf fast altmodische Weise umsorgt.

Nidaros Cathedral
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Nidaros Cathedral in Trondheim.
Photo: Sven-Erik Knoff

Endstation: der Nidarosdom in Trondheim

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Nidaros Cathedral in Trondheim.
Photo: Sven-Erik Knoff

Und dann ist man da! Wie war das?

Es war ein sehr schönes Gefühl, und der Zeitpunkt war perfekt. Als wir nach Trondheim kamen, fand gerade ein großes Festival mit Mittelaltermarkt statt. Wir hatten das Gefühl, direkt ins Mittelalter zu laufen. Für eine sehr lange Zeit war alles ruhig und friedlich gewesen, und nun plötzlich all der Lärm und Trubel der Stadt

Wenn man in Trondheim ankommt, fällt einem sofort auf, wie hübsch die Stadt ist. Und die Kathedrale ist wunderschön. Ein Pilgerpfarrer entdeckte uns, kurz nachdem wir angekommen waren. Er ging sofort auf uns zu und sagte: ‚Seid ihr Pilger? Ihr seid angekommen, herzlichen Glückwunsch!

Wander along with Joly and the two Daves in this short video:


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