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Photo: Erik Hattrem
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Warum Norweger Frischluftfanatiker sind

Schweiß und Blasen gehören zum norwegischen Lebensstil

Text: Mikael Lunde

Schweißtropfen rinnen von sonnenverbrannten Stirnen und unsere Füße in den Wanderstiefeln sind wundgelaufen. Wir klettern die letzte felsige Steigung hoch.

„Nur noch fünf Minuten, dann könnt ihr die Aussicht bewundern“, sagt Nils Hole, pensionierter Lehrer der Naturwissenschaften und seit zehn Jahren Vorsitzender des örtlichen Bergwandervereins. Nach zwei Stunden stetigen Steigens und ohne weitere Vorwarnung endet der Berg plötzlich und ein gigantisches Panorama tut sich vor unseren Augen auf.

Gut 1100 Meter unter uns windet sich eine flussfarbene Schildkröte aus dem Schmelzwasser der Gletscher. Sie bahnt sich ihren Weg durch ein üppiges, grünes Tal, vorbei an Bauernhöfen und Weiden, um langsam in den Fjord zu gleiten. Dieser befindet sich in der Nähe der Stadt Åndalsnes. Mächtige alpine Berglandschaften ragen darüber empor. Auf den Hängen unterhalb ihrer spitzen Gipfel glitzert Schnee.

Panorama-Schönheit

Die Romsdal-Alpen sind ein dramatischer Anblick. „An keiner anderen Stelle wird der Fjord von diesen mächtigen Alpengipfeln umschlossen. Deshalb ist dieser Ort so einzigartig“, erklärt Hole, der auch nach unzähligen Klettertouren auf jeden Gipfel, der sich uns präsentiert, von der Aussicht verzaubert ist.

„Ganz ohne Sicherheitsmaßnahmen wäre der Weg für die meisten Ausflügler und Familien wahrscheinlich zu schwer. Doch mit ein paar Metallketten fühlen sich die Wanderer gleich viel sicherer. So haben viel mehr Menschen die Möglichkeit, die Berge zu erkunden“, sagt der Bergführer.

Freiluftleben

Den fantastischen Blick ganz für sich allein zu wollen, ist nicht Holes Ding. Viel mehr verkörpert er die norwegische Philosophie, die sich vielleicht am besten mit Worten wie friluftsliv (wörtlich übersetzt: Freiluftleben, die Erholung an der frischen Luft) oder dugnadsånd (in etwa: der Geist des Ehrenamts) einfangen lässt.

Das Recht, friluftsliv zu genießen, ist ausdrücklich im norwegischen Gesetz verankert. Hierzu gehört auch die Freiheit, Land zu betreten, das sich im Privateigentum befindet. Sinn und Zweck des Gesetzes ist die Förderung der Gesundheit und des Wohlergehens. Es ist ein wichtiger Bestandteil norwegischer Kultur.

 

 

northwest
Romsdalseggen
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Romsdalseggen.
Photo: Kyrre Lien

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Photo: Kyrre Lien

Hinterlassen Sie Spuren

Bestes Beispiel für dugnadsånd ist die alte Tradition, „Steinmännchen“ zu bauen. Schon seit Urzeiten schichten Menschen, die die Gebirgspfade hochklettern, Steinhügel auf – große, pyramidenförmige Anhäufungen aus Steinen. Diese werden an gut sichtbaren Stellen errichtet, um den Pfad zu markieren. Bei Nebel und Sturm dienen die augenfälligen Bauwerke als Wegweiser.

Auch heute noch sammeln Wanderer Steine, um sie immer höher werdenden Steinhaufen zuzufügen. Auch Touristen haben sich die Tradition zu eigen gemacht. „Sie stellen Hunderte von Steinmännchen auf“, sagt Hole und grübelt: „Ich habe mich schon oft gefragt, ob das Verlangen, eine Spur zu hinterlassen, den Menschen wohl angeboren ist.“

Eine natürliche Fortsetzung dieses Trends ist das Phänomen der „Steinmännchen-Bücher“. Auf der Spitze des Bergs Blånebba (1320 Meter über dem Meeresspiegel) befindet sich ein großes Steinmännchen, an das ein Briefkasten befestigt ist. Hieraus zieht Nils Hole einen wasserfesten Beutel hervor und kramt darin nach dem dicken Notizbuch, das sich darin befindet.

„Es ist voll, ich hätte ein neues mitbringen sollen“, murmelt er zu selbst, während er die Seiten durchblättert. Zweifellos erscheint sein eigener Name gleich mehrere Male darin. „Fast jeder Berggipfel hat inzwischen so ein Notizbuch. Man kann sich sogar mit einem Code auf dem Handy eintragen“, sagt er.

Romsdalseggen
Romsdalseggen’s highest point
Kyrre Lien
Romsdalseggen
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Kyrre Lien
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Reaching Blånebba
Kyrre Lien
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Enjoying the view from Romsdalseggen
Kyrre Lien

Felsenfester Stand

Auf dem Weg nach Nesaksla erscheint hinter dem letzten Gipfel ein besonders auffälliger Steinhaufen. Aakesvarden wurde an einem Sonntag im Juli vor über 100 Jahren errichtet, im Jahr 1908. Hole ist die Geschichte bestens vertraut. Sogar die Namen der Menschen, die die Struktur aufgeschichtet haben, kennt er. Sie kamen vom Hof Aak im Tal hinter der Klippe. Heute steht dort ein zauberhafte, gemütliche Herberge, das Hotel Aak.

„Zu dieser Zeit war die Methode des Trockenmauerbaus weit verbreitet“, erzählt Hole, der am Bau eines ähnlichen, etwas kleineren Steinmännchens weiter oben am selben Hügel beteiligt war. Dieses sollte nicht größer als das gut drei Meter hohe Original werden. „Die Tatsache, dass man es direkt am Rand der Klippe aufgebaut hat und es seit über 100 Jahren felsenfest dort steht, finde ich fantastisch. Und das bei dem Wind, der hier üblich ist“, fügt er hinzu.

Rampestreken
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Rampestreken.
Photo: Kyrre Lien

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Rampestreken.
Photo: Kyrre Lien

Alle willkommen

Den Wanderweg sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen: Wie ein wildes Tier in Gefangenschaft mag er gebändigt sein, jedoch nicht gezähmt. Nichtsdestotrotz machen sich sowohl Familien als auch Junge wie Alte auf den Weg, den Bergkamm zu überqueren. Drei unterschiedliche Strecken mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden – von mittelschwer bis sehr schwer – wurden angelegt. Es wurde viel unternommen, um die Wege so zugänglich wie möglich zu gestalten. Wo Hole als Kind noch klettern musste, steht heute eine Treppe. Diese wurde von Angehörigen der Sherpas aus Nepal errichtet – extrem erfahrene Bergsteiger, die hierfür ihre althergebrachten Techniken aus der Himalaya-Region anwendeten.

Von Åndalsnes auf Höhe des Meeresspiegels bis zum 708 Meter darüber befindlichen Nesaksla gibt es jetzt eine Treppe, die die Einheimischen auch gern mal als Fitnessgerät benutzen. Wenn man die gesamte Strecke zurückgelegt hat und wieder unten angekommen ist, mag einem diese Idee zunächst weniger reizvoll erscheinen. Doch sind die Blasen abgeklungen und hat der Puls sich normalisiert, ist es durchaus möglich, dass man sich erneut nach der frischen Lust und dem spektakulären Ausblick sehnt. Plötzlich verstehen wir, warum so viele Norweger so begeistert von ihrem friluftsliv sind.

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