Eine neue Ausstellung im Kon-Tiki-Museum in Oslo holt die Geschichte von Thor Heyerdahl in die Gegenwart – durch neue Perspektiven, interaktive Exponate und die Vision der Enkelin des legendären Entdeckers.
Kon-Tiki zum Leben erweckt
Durch eine neue Ausstellung
“Man kann kein Ticket ins Paradies kaufen. Man muss es in sich selbst finden.”
Thor Heyerdahl
Abenteurer
Thor Heyerdahl, der norwegische Entdecker, wurde vor allem durch die Kon-Tiki-Expedition bekannt und erlangte mit seinen wagemutigen Reisen und unkonventionellen Theorien Weltruhm.
Heute trägt seine Enkelin Liv Heyerdahl dazu bei, sein Vermächtnis zu bewahren und es im Kon-Tiki-Museum in Oslo einer neuen Generation näherzubringen.
Thor Heyerdahl wurde weltberühmt, als er 1947 mit einem Floß aus Balsaholz den Pazifik überquerte. Doch laut seiner Enkelin geht es bei seinem Vermächtnis nicht nur um die Reisen:
“Er hatte den Mut, an seine eigenen Ideen zu glauben. Er hatte große Ambitionen und gab selbst bei Widerstand nicht auf.”
Liv Heyerdahl
Enkelin von Thor Heyerdahl und Direktorin des Kon-Tiki-Museums
“Ich bin genauso stolz auf meine Großmutter wie auf meinen Großvater.”
Liv Heyerdahl
Direktorin des Kon-Tiki-Museums
Eine Liebesgeschichte
Vor der Kon-Tiki-Expedition war Thor Heyerdahl ein junger Student der Zoologie und Geografie mit großer Faszination für die Natur. Gemeinsam mit seiner jungen Frau Liv träumte er davon, die moderne Gesellschaft hinter sich zu lassen und näher an der Natur zu leben.
Am Tag nach ihrer Hochzeit im Jahr 1936 stach das Paar in See und segelte zur abgelegenen Insel Fatu Hiva in Polynesien. Er war 22, sie war 20 Jahre alt.
“Meine Großeltern Liv und Thor Heyerdahl wollten einfach leben, im Einklang mit der Natur und von dem, was die Natur ihnen bot.”
Während seiner Zeit dort interessierte sich Heyerdahl zunehmend dafür, wie Menschen ursprünglich die Pazifikinseln erreicht hatten. Damals gingen die meisten Forscher davon aus, dass Polynesien ausschließlich von Asien aus besiedelt worden war. Heyerdahl entwickelte die umstrittene Theorie, dass Menschen auch von Südamerika aus über den Pazifik gesegelt sein könnten.
Als seine Ideen von der wissenschaftlichen Gemeinschaft abgetan wurden, beschloss er zu beweisen, dass eine solche Reise möglich war.
1947 überquerte er den Pazifik auf dem Floß Kon-Tiki aus Balsaholz.
Zurück in Norwegen übernahm seine Frau Liv Heyerdahl ebenfalls große Verantwortung. Während des Zweiten Weltkriegs kümmerte sie sich um die beiden jungen Söhne des Paares. In den Jahren vor der Kon-Tiki-Expedition unterstützte sie Thor bei seiner Arbeit und zog gleichzeitig die Kinder groß.

Liv Heyerdahl will mit der Ausstellung nicht nur das Erbe ihres Großvaters bewahren, sondern auch neue Generationen inspirieren.
“Mein Großvater hat ein außergewöhnliches Lebenswerk hinterlassen, und es ist meine Aufgabe, dieses für heutige Generationen relevant und zugänglich zu machen.”
Liv Heyerdahl
Direktorin des Kon-Tiki-Museums
Ein Museum zum Erleben
Die neue Ausstellung verändert die Art und Weise, wie diese Geschichte erzählt wird.
„Sowohl als Museumsdirektorin als auch als Enkelin von Thor Heyerdahl spüre ich eine große Verantwortung, ein wichtiges Erbe weiterzuführen“, sagt Heyerdahl.
Sie beschreibt die neue Ausstellung als deutlich interaktiver als früher.
„Sie vermittelt die Inhalte über verschiedene Kanäle und lädt Besucher dazu ein, selbst Teil des Erlebnisses zu werden.“
Klanglandschaften, Projektionen und Archivaufnahmen führen die Besucher durch die Kon-Tiki-Halle. Dank interaktiver Installationen können Besucher zudem ein Floß steuern und das Leben unter der Wasseroberfläche erkunden.
„Wir wollten etwas mit Energie, Farbe und Leben schaffen“, sagt sie.
Die Ausstellung rückt außerdem Geschichten in den Mittelpunkt, die lange im Hintergrund geblieben sind.
“Wir stellen Gerd Vold Hurum und ihren entscheidenden Anteil an der Kon-Tiki-Expedition vor. Ihre Arbeit an Land war ausschlaggebend für den Erfolg der Expedition.”
Die Osterinsel-Sammlung
Zur Ausstellung gehören auch Artefakte, die im Zuge von Thor Heyerdahls Expedition im Jahr 1956 von der Osterinsel nach Norwegen gebracht wurden.
Die Inselbewohner erlaubten Heyerdahl, die Stücke zu Forschungszwecken mitzunehmen, unter der Bedingung, dass ein Teil von ihnen irgendwann zurückgegeben wird.
„Es war nie vorgesehen, dass alles dauerhaft hier bleibt“, sagt Liv Heyerdahl.
Teile der Sammlung, darunter menschliche Überreste, wurden bereits offiziell an Vertreter von Rapa Nui zurückgegeben. Andere Stücke bleiben bis auf Weiteres im Museum.
Derzeit haben Besucher noch die seltene Gelegenheit, einige dieser Artefakte im Museum zu sehen.Vor der Rückgabe sollen 3D-Replikate der Originale angefertigt werden.
Warum Heyerdahl heute noch wichtig ist
Für Liv Heyerdahl liegt die Bedeutung ihres Großvaters nicht nur in den Expeditionen, sondern in der Denkweise dahinter.
„Er hatte mit viel Gegenwind zu kämpfen, hielt aber an seinen Ideen fest“, sagt sie.
Sie verweist auch auf sein Umweltbewusstsein. Lange bevor Umwelt- und Klimathemen breite Aufmerksamkeit erhielten, dokumentierte Thor Heyerdahl die Verschmutzung der Meere und erhob international seine Stimme.
Während der Tigris-Expedition im Jahr 1978 verbrannte er sein eigenes Boot aus Protest gegen Krieg und Konflikte.
“Er nutzte seine Stimme, warnte vor Umweltproblemen und setzte sich für internationale Zusammenarbeit ein.”
Liv Heyerdahl
Direktorin des Kon-Tiki-Museums
Das Museumsarchiv enthält handgeschriebene Tagebücher, Briefe, Fotografien und Notizen von Thor Heyerdahls Reisen.

“Es ist wichtig, diese Geschichten lebendig zu halten.”
Liv Heyerdahl
Direktorin des Kon-Tiki-Museums
Die Halbinsel Bygdøy erkunden
Das Kon-Tiki-Museum liegt auf der Halbinsel Bygdøy in direkter Nachbarschaft zu mehreren der beliebtesten Museen Oslos, darunter das Fram-Museum, das Norwegische Seefahrtsmuseum und weitere Attraktionen.
BuchenOsloFram Polarschiffmuseum
Fram ist das stärkste, aus Holz gebaute Schiff der Welt und ist am weitesten sowohl in den Norden als auch in den Süden vorgedrungen. Die Fram wurde bei den drei berühmten Polarexpeditionen von Fridtjof Nansen (1893-1896), Otto Sverdrup (1898-1902) und Roald Amundsen (1910-1912) eingesetzt. Die Fram wurde 1892 gebaut und ist im Original mit gut erhaltener Einrichtung und Gegenständen ausgestellt. Um das Schiff herum gibt es umfassende und spannende polargeschichtliche Ausstellungen. Außerdem eine höchst interessante polarhistorische Sammlung. Im Museum sind alle Texte und Informationen in 10 Sprachen übersetzt. 2013 wurde das neue Gjøa-Gebäude eröffnet, mit neuen Ausstellungen über die Arktis, die nördlichen Gebiete und die Nordwestpassage – von den ersten Versuchen vor vierhundert Jahren, eine nördliche Route nach Osten zu finden, bis zu Roald Amundsens gelungener Durchquerung 1903-06. Kombiticket: Fram Polarschiffmuseum, Das Kon-Tiki-Museum und Norwegishes Seefahrtsmuseum In den drei Bygdøy-Museen sind ermäßigte Kombitickets für den Eintritt in zwei oder drei Museen erhältlich. Auf norwegisch: Frammuseet











































